3. Prozesse & Strategien

Lean Industry bei gleichzeitigem Mehrwert für den Kunden klingt erst einmal Paradox. Deshalb stellen wir Ihnen in diesem Kapitel ausgewählte Strategien vor, die helfen können, Prozesse effizient zu managen und den Kunden individuell anzusprechen.

3.6 Shareconomy

„Shareconomy“ – die Wortkreation aus ‚Sharing‘ und ‚Economy‘ steht für den kollaborativen Konsum: teilen, leihen und mieten statt besitzen. Das gemeinsam Nutzen von Produkten und Dienstleistungen kann dabei nicht nur umweltfreundlich, sozial und kostensparend sein, sondern auch komfortabel. Zum Beispiel wenn man für kurze Strecken bequem ein Auto mietet, bei Stau aufs Mietfahrrad wechselt und den Urlaub in Privatunterkünften verbringt – inklusive Reisetipps von Einheimischen. Der Trend zieht sich über Branchen hinweg und macht nicht nur bei Privatpersonen halt. Im kommerziellen Bereich bieten Coworking Spaces Arbeitsraum zum Teilen, andere Unternehmen bieten Rechnerdienste oder sogar Baumaschinen zum gemeinsamen Nutzen an.

Neu ist der Trend zwar nicht, dafür aber der mobile Zugriff auf die Plattformen, der die gemeinsame Nutzung komfortabel und leicht macht. Dabei verschiebt sich die Wertschöpfung, denn bezahlt wird nicht primär das Produkt, sondern dessen Nutzung. Dies erlaubt auch neuen Wettbewerbern den Eintritt in den Markt. Dabei bietet der Trend gerade Industrieunternehmen Chancen, die Endnutzer auch direkt zu erreichen und sich den Marktzugang auch zukünftig zu sichern.

4 Fragen an...

Interview mit Christian Dummler, Geschäftsführer und CFO der Zeppelin GmbH‎

Welche Idee steckt hinter der Plattform klickrent.com?

„Das Geschäftsmodell von Zeppelin Rental sieht vor, alle Assets wie Maschinen und Geräte ‎selbst zu besitzen und diese nah beim Kunden zu platzieren, um eine schnelle Nachfrage zu ‎befriedigen. Dieser Ansatz ist teuer und skaliert sehr schwierig. Außerdem sind Kunden an ‎Öffnungszeiten gebunden. Im Jahr 2013 haben wir uns die Frage gestellt, was es für Zeppelin ‎bedeuten würde, wenn es eine Plattform gäbe, auf der Baumaschinenbesitzer ihre Geräte ‎vermieten könnten, ähnlich eines Shared-Economy Ansatzes? Die Auswahl an Geräten, ‎Verfügbarkeit, Nähe und Komfort würden unseren bisherigen Vertriebskanal über unsere ‎Niederlassungen fast immer schlagen. Ein ganz wichtiger Teil des Geschäftsmodells von ‎Rental wäre damit akut in Gefahr. Aus diesen Überlegungen heraus wurde 2014 das ‎Tochterunternehmen klickrent in Berlin gegründet, abseits des etablierten Zeppelin Konzerns.“

Sie haben die Plattform explizit auch für Wettbewerber geöffnet. Warum haben Sie ‎sich für diesen Weg entschieden?

„Zu unseren Partnern zählen nicht nur klassische Vermietunternehmen, sondern auch ‎Hersteller, die gemeinsam mit beziehungsweise über klickrent ein Vermietgeschäft aufbauen ‎oder mit uns strategisch zusammenarbeiten wollen. Hinzu kommt erstes Interesse von ‎klassischen Bauunternehmen von Konzerngröße sowie von Mietvereinigungen. klickrent ‎verfolgt dabei das strategische und für einen offenen Marktplatz unabdingbare Ziel, ‎unabhängig von Herstellern und Vermietern zu sein. Denn dies ist die Grundlage für die ‎Schaffung eines transparenten, digital verfügbaren sowie einfach zu bearbeitenden ‎Mietgeschäfts.‎“

Welches Businessmodell verfolgen Sie mit der Plattform‎?

„Unser Ziel ist es, mit klickrent existierende Vertriebswege zu revolutionieren und zu ‎digitalisieren! Mit klickrent können wir herstellerunabhängig Baumaschinen und Geräte anbieten bzw. vermitteln. Dank ‎der Online-Plattform ist ebenso eine Erweiterung auf andere Produktsparten denkbar, ‎beispielsweise auf Landwirtschaftsmaschinen. Im Moment liegt der Schwerpunkt unserer ‎Geschäftstätigkeit auf dem deutschen Markt. Die Etablierung ähnlicher Marktplätze in ‎weiteren Ländern ist jedoch vorgesehen‎.“

Welches Businessmodell verfolgen Sie mit der Plattform‎?

„Wir waren uns bei der Gründung von klickrent bewusst, dass das zumindest die ‎Kannibalisierung des eigenen Geschäfts bedeuten könnte und wir uns damit Konkurrenz im ‎eigenen Unternehmen schaffen könnten. Wir wussten aber auch, wenn wir diese ‎Geschäftsidee nicht selbst am Markt etablieren, dann tut es jemand anderes. ‎
Unternehmen, die über eine ähnliche Erweiterung ihres Geschäftsmodells nachdenken, ‎sollten berücksichtigen, dass die Digitalisierungsstrategie vom obersten Management ‎gesteuert und verantwortet werden sollte, damit sie erfolgreich umgesetzt werden kann.‎ Zudem ist die Kommunikation an die Mitarbeiter ein wichtiger Faktor. Unsere Mitarbeiter ‎wurden über das Vorhaben, klickrent zu gründen, umfassend informiert. Wir haben die ‎Gründe genannt, Zusammenhänge erklärt und deutlich gemacht, dass klickrent kein Ersatz ‎für bestehendes Geschäft ist, sondern eine Ergänzung dessen. Dieser Schritt war neben ‎vielen anderen wichtig für die Akzeptanz innerhalb des Unternehmens und letztendlich den ‎Erfolg von klickrent.‎“


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